Rennsport
Immer nach oben.
Bergrennen ist bei uns keine Freizeitbeschäftigung neben der Arbeit. Es ist der Ort, an dem sich zeigt, ob die Arbeit stimmt — vor Publikum, gegen die Uhr, ohne zweiten Versuch.

Rennsport war zuerst da.
Marcel Steiner ist mit Motorsport aufgewachsen. Sein Vater Heinz fuhr bereits ab 1967 Rennen — als Marcel zur Welt kam, stand die Familie längst im Fahrerlager. Als Kind war er dabei: an den Strecken, in der Box, in der Werkstatt. Lange bevor er selbst am Steuer sass.
1991 begann er im Kartsport. Es folgten die Kart-Schweizermeisterschaft, Formel Ford, Austria Euroserie, Sports Car Challenge und Interserie. 2004 verlagerte sich der Schwerpunkt endgültig an den Berg.
Was daraus wurde, lässt sich in Titeln zählen. Was sich schwerer zählen lässt, sind die Jahre dazwischen: entwickeln, testen, reparieren, zurückkommen.
Eine Karriere am Berg.
6×
Schweizer Bergmeister der Rennsportfahrzeuge — 2010, 2011, 2012, 2017, 2018, 2023.
4×
Sieger AvD-Sportwagen Berg Cup — 2005, 2007, 2008, 2009.
1×
Deutscher Bergmeister der Rennsportfahrzeuge — 2008.
Mehr als drei Jahrzehnte am Limit.
Das vollständige Palmarès, Epoche für Epoche. Aufklappen zeigt jedes Jahr.
1991–1997 · Der Anfang
- 1991 — Beginn im Kartsport
- 1993–1995 — Kart-Schweizermeisterschaft
- 1996 — Formel Ford Zetec, 8. der Schweizer Meisterschaft
- 1997 — Formel Ford Zetec, 5. der Schweizer Meisterschaft
1999–2003 · Rundstrecke
- 1999 — Austria Euroserie, Martini Mk-77/BMW: Vizemeister, 3 Gesamtsiege
- 2000 — Sports Car Challenge: Vizemeister, 6 Gesamtsiege, Schweizer Sportwagentrophäensieger
- 2001 — Sports Car Challenge 3., 6 Gesamtsiege · Interserie Vizemeister, 5 Siege · erneut Sportwagentrophäensieger
- 2002 — Sports Car Challenge auf URD-BMW: 3., 1 Gesamtsieg
- 2003 — Sports Car Challenge: Vizemeister, 3 Gesamtsiege
2004–2009 · An den Berg
- 2004 — Erste Bergrennen in der Schweiz: 5 Klassensiege, Gesamtsiege in Reitnau und Oberhallau
- 2005 — Sieger AvD-Sportwagen Berg Cup, 4 Klassensiege
- 2006 — Vizemeister deutsche Bergmeisterschaft und Vizemeister Berg Cup, 3 Gesamtsiege
- 2007 — Sieger Berg Cup, Vizemeister deutsche Bergmeisterschaft, 2 Gesamtsiege
- 2008 — Deutscher Bergmeister und Sieger Berg Cup, 6 Gesamtsiege, 5 Streckenrekorde
- 2009 — Vizemeister deutsche Bergmeisterschaft, Sieger Berg Cup, 5 Gesamtsiege, 6 Streckenrekorde
2010–2012 · Drei Titel in Folge
- 2010 — Schweizer Bergmeister, 2. im Berg Cup, 9 Gesamtsiege, 5 Gruppensiege
- 2011 — Schweizer Bergmeister auf Osella FA30/Zytek, 11 Gesamtsiege, 6 Streckenrekorde
- 2012 — Schweizer Bergmeister, 10 Gesamtsiege, 7 Streckenrekorde
2013–2019 · Bruch und Rückkehr
- 2013 — Schweizer Meisterschaft und ausgewählte EM-Rennen, 3 Gesamtsiege. Unfall in Les Rangiers
- 2014–2015 — Ausgewählte Rennen im In- und Ausland auf Martini Mk77/BMW
- 2016 — Vizemeister auf dem neuen LobArt LA01/Mugen
- 2017 — Schweizer Bergmeister, 3 Gesamtsiege
- 2018 — Schweizer Bergmeister, 3 Gesamtsiege
- 2019 — Vizemeister, 1 Gesamtsieg
2020–2024 · Der eigene Motor
- 2020–2021 — Entwicklung und Aufbau des Helftec-Honda-Turbomotors
- 2022 — Vizemeister mit dem LobArt LA01/Helftec-Honda
- 2023 — Schweizer Bergmeister, 4 Gesamtsiege, 2 Streckenrekorde
- 2024 — Pause
2025–heute · Das Nova-Kapitel
- 2025 — Wechsel auf den Nova Proto NP01/Helftec-Honda. Erste Saison mit neuem Chassis: Entwicklungsarbeit, technische Probleme und Lernschritte. In Les Rangiers zweitbester Schweizer, 20 Punkte für die Meisterschaft. Nach technischen Problemen am Gurnigel vorzeitiges Saisonende
- 2026 — Weiterentwicklung des Nova Proto, deutlich besseres Zusammenspiel von Fahrer und Fahrzeug. Laufende Saison
Aufgeben ist nicht mein Ding.
2013 wurde Les Rangiers zu einem Einschnitt. Marcel verlor beim Schalten in den sechsten Gang den Bodenkontakt an der Vorderachse und verunfallte schwer mit dem Osella. Er beschreibt es Jahre später selbst, Kurve für Kurve.
«Auch wenn ich ihr zwischenzeitlich, nach meinem Unfall 2013, die Liebe gekündigt hatte» — so sagt er es über die Strecke. Neun Jahre später stand er dort wieder am Start. 2019 fuhr in Les Rangiers kein Schweizer schneller als er.
Dasselbe Muster ab 2020: Statt einen fertigen Motor zu kaufen, baute das Team mit Helftec Engineering einen eigenen Turbomotor auf. Zwei Jahre lang wurde entwickelt, gebaut, getestet und nachgebessert, ohne Meisterschaftserfolg. 2022 folgte der Vizemeistertitel. 2023 war Marcel wieder Schweizer Meister.
Vom Vater an den Sohn.
Heinz Steiner sass mit 18 erstmals am Rennsteuer, 1967. Mit einem BMW 2002 TI wurde er 1972 Vierter der Schweizer Meisterschaft. 1973 eröffnete er seine eigene Garage in Oberdiessbach — die Garage, die es heute noch gibt.
1984 kehrte er als Honda-Vertreter mit einem serienmässigen CR-X in den Sport zurück. Später kamen der Lola T298-BMW, mit dem er 1989 auf Anhieb Zweiter der Coupe der Schweizer Berge wurde, und Formel-2-Fahrzeuge von Martini. In den Neunzigern gehörte er zu den erfolgreichsten Schweizer Bergspezialisten.
1999 erklärte er am Abend nach seinem Tagessieg am Gurnigel den Rücktritt. Marcel übernahm — und trat, wie es die Chronik der Equipe Bernoise festhält, «auch am Berg in Vaters Fussstapfen».
Heinz ist bis heute dabei, heute als Teamchef. Über den Unterschied zu früher sagt er: «Jedes Detail wird elektronisch erfasst, während damals bei mir der einzige Sensor mein Hintern war.»
Die laufende Saison
Heute.
Mehr als drei Jahrzehnte nach seinem ersten Kartrennen fährt Marcel noch immer. Nicht aus Gewohnheit, sondern weil es weiterhin etwas zu entwickeln, zu verbessern und herauszufinden gibt.
Die laufende Saison bestreitet Steiner Motorsport mit dem Nova Proto NP01 und dem weiterentwickelten Helftec-Honda-Turbomotor.
Zuletzt
Oberhallau
29./30.08.2026 · SM
Ausfall
Im ersten Rennlauf gab die Kurbelwelle des Nova Proto auf. Damit war das Rennwochenende in Oberhallau vorzeitig zu Ende.
Als Nächstes
Les Paccots
19./20.09.2026 · SM
Die Fahrzeuge, die die Geschichte geschrieben haben.
Martini Mk-77, Osella FA30, LobArt LA01, Nova Proto: Jedes dieser Autos steht für eine Epoche — und für die Titel, die damit herausgefahren wurden.
Aus erster Hand.
Marcel schreibt nach den Rennen selbst, wie es gelaufen ist. Auch dann, wenn es nicht gelaufen ist.
Werkstatt und Rennsport waren bei Steiner nie zwei Welten.
Heinz war Garagier und Rennfahrer. Marcel ist Automechaniker und Rennfahrer. Die Rennwagen entstehen in derselben Halle, in der unter der Woche Kundenfahrzeuge stehen.
Deshalb fliesst das Wissen in beide Richtungen: Diagnose, Material, Motoren, Fahrwerk — und vor allem die Gewohnheit, einem Problem auf den Grund zu gehen, statt es zu umgehen.



